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Gustav Mahler: Um Mitternacht Um Mitternacht hab' ich gewacht, und aufgeblickt zum Himmel...
Insgesamt zehn der Gedichte Friedrich Rückerts hat Gustav Mahler vertont; darunter unter Anderem die bekannten Kindertotenlieder. Dabei scheinen die Gedichte eher starr und formalistisch; erst die Musik erfüllt sie mit Innigkeit, Bedeutung und Leben. Darunter das eigenwilligste und - meiner Meinung nach- beeindruckenste Lied ist "Um Mitternacht", instrumentiert für den Bläsersatz eines Sinfonieorchesters und Tenor- bzw. Altstimme. Sehr sparsam ausgerüstet mit Motiven ist das Lied: Eine fallende und wieder hochschnellende Terz und eine fallende phrygische Tonleiter sind bereits alles, was der Komponist an Themen braucht. Typisch für Mahler die konträre Entwicklung von Textgeschehen und Musik: Während die Musik verhalten und leise, fast vorsichtig beginnt, gibt sich der Text eher aufrecht und kämpferisch (Um Mitternacht kämpft ist die Schlacht...); wogegen zu Ende der Text resigniert und sich zu Gott wendet (...hab ich die Macht im deine Hand gegeben..) und die Musik mit fulminantem Blechbläsereinsatz ihrem Höhepunkt entgegenstrebt. Musik, die Gänsehaut erregt, Herzen stocken lässt und Staunen erregt. |