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Gustav Mahler: Symphonie Nr.4
Kann Musik zynisch sein? Ja, sie kann, beweisst Gustav Maler, damals Direktor der Wiener Hofoper, um die Jahrhundertwende mit seiner vierten Symphonie, einem etwa einstündigen Werk. Anscheinend verärgert über die hedonistischen Hörvorstellungen seiner Zeitgenossen schreibt er eine Musik, die immer wieder mit sehr schönen Stellen lockt, die manchesmal fast von Mozart diktiert zu sein scheint, nur um den Zuhörer immer wieder hart aus seinen Träumen zu reissen mit Wirrwarr und gewollten Mißklängen, die die Genussucht zu verlachen scheinen. So wirkt der erste Satz vordergründig verspielt, der Zweite wie ein ländlicher Tanz. Beide aber werden durchbrochen von einem bitteren, zutiefst sarkastischen Humor, der wie versteckte Reisszwecken unter der Oberfläche brodelt. Der dritte Satz ist langsam, sehr ruhig und streicherbetont, wäre fast behäbig zu nennen, würde er nicht immer wieder durch Spannungsspitzen der Bläser zerhackt, die kurz aufbrausen, nur um nach konfusem Zusammenbruch wieder den sanfteren Streichern den Vordergrund zu überlassen. Der vierte Satz ist eine Vertonung eines Gedichtes aus der Sammlung "Des Knaben Wunderhorn", und zwar des "Himmlischen Lebens". Dieses dem ersten Anschein nach naive Kindergedicht hat es in Wirklichkeit faustdick hinter den Ohren. "Wir geniessen die himmlischen Freuden, drum tun wir das Irdische meiden" heisst es da, "Lebt alles in himmlischer Ruh". Aber was sind das für Freuden! Da wird gesungen und gesoffen, getanzt und gefressen was das Zeug hält. Engel und Heilige sind da nicht spiritueller Halt, sondern Gärtner, Bäcker und Musiker, und der heilige Johannes darf das unschuldige, geduldige und liebliche Lämmlein schlachten für das Geprasse! Wärend der Text immer lebendiger und ausgelassener wird, so dass schlussendlich "alles für Freuden erwacht", wird die Musik immer zarter und vorsichtiger, bis sie schliesslich, in augenzwinkerndem Widerspruch zum Text, langsam entschläft. Tongewordener Sarkasmus. Prädikat: besonders hörenswert. |